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von dirk I hamburg I 28 Dezember 2018

Forest Grove. Der Name ist nigelnagelneu. Der Style seit 1982 unverändert.

Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix! Was bei dem amerikanischen Schokokeksriegelklassiker zum Jahrtausendwechsel praktiziert wurde, kann auch bei einem Sportschuhklassiker statuiert werden. Bei Twix war die Globalisierung Auslöser für den weltweit einheitlichen Produktnamen. Denn in den USA heißt Twix bereits seit der Markteinführung 1979 so.

Weshalb der Runningklassiker Oregon aus Herzogenaurach – 36 Jahre nach Produktlaunch – plötzlich fein rausgeputzt und unter dem Namen Forest Grove auftaucht, ist auf Anhieb nicht ersichtlich. Klar ist zumindest, dass mit der deutschen Übersetzung „Waldhain“ wohl mitnichten ein idyllisches Dorf im Taunus gemeint ist. Vielmehr steht ein Vorort von Portland, im Nordwesten des Bundestaates Oregon, Pate für den Namensrelaunch.

Höchstwahrscheinlich sind abgelaufene Namensrechte der Grund. Möglichenfalls verbindet man den Begriff Oregon global gegenwärtig mehr mit der Marke Nike, die hier gegründet wurde. Aber das ist rein spekulativ. Unterm Strich ist es auch nicht wirklich wichtig. Von Relevanz ist die Faktizität, dass der leichtgewichtige Klassiker aus den Anfängen des weltweiten Jogginghypes wieder zurück auf der Straße ist. Denn dort sah man ihn zuletzt 2002 in Camouflage. Und ich erinnere noch mein Schweinsledermodell in Dunkelgrau mit neonorangen Streifen, aus ungefähr derselben Zeit.

Nun taucht er gleich im Dutzend auf, darunter vier Ladystyles. Nice to know: Das Original erschien 1984 erstmals als Lady Oregon, also zwei Jahre nach der Markteinführung.

Auf den ersten Blick erinnert der Forest Grove natürlich sofort an den New York von 1985 und dessen herausgeputzten Dandyneffen namens Glenbuck aus der Spezial-Serie der beiden Angelsachsen und Dreistreifexperten Gary Aspden und Mike Chetcuti, die seit 2014 in Vergessenheit geratene Topmodelle reanimieren und in Topqualität und Topfarbkombis in limitierter Serie neu auflegen lassen.

Der Forest Grove galt schon damals als einer der leichtesten Runner ever. Gefertigt aus einer strapazierfähigen und zugleich raffinierten Kombination von Nylon und Veloursleder. Die einstmaligen Anforderungen an den Runner: Er sollte nicht nur leicht sein, sondern den Athleten auch bestmöglichen Tragekomfort und eine optimale Stoßdämpfung bieten. Egal, ob bei anspruchsvollen Marathonläufen oder bei einer locker flockigen Parkrunde durch Gehölz und Mulch.

Viel Nylon gleich wenig Gewicht, war eine Sache. Doch die prägendsten und zugleich auffälligsten Merkmale des schnittigen Komfortflitzers sind das Schnellschnürsystem, das sogenannte Ghilly-Lacing mit den acht Kunststoff-Ösen sowie die stabilisierende und optisch markante Netzstruktur an der Zwischensohle, auch berühmt-berüchtigt unter der Bezeichnung Dellinger-Web. Letzteres war erst in diesem Jahr großes Thema bei der Modellneueinführung Deerupt.

Im Vorderfußbereich protzt der Forest Grove mit etwas mehr Veloursleder als der New York, die Zunge ist etwas kürzer und das Laufsohlenprofil weniger grob. Und mit 302 g ist er auch noch 24 Gramm leichter als sein Verwandter von der Ostküste.

Fakt ist: Wo Forest Grove draufsteht, ist uneingeschränkter Spirit von Oregon und 1982 drin, schnieke abgerundet mit dem Knowhow und den Designansprüchen von heute. Oder anders gesagt: Oregon heißt jetzt Forest Grove – wer ihn nicht feiert, ist doof.