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von dirk I hamburg I 18 Oktober 2018

1979 – das Jahr, in dem der Laufsport neu erfunden wurde. Nike Tailwind.

Es war nicht Phil Knight – der 1978 seinen 40. Geburtstag verzeichnete – und auch nicht sein kongenialer Markenmitgründer Bill Bowerman, pedantischer Entwickler, beispielsweise der Waffle-Sohle und legendärer Leichtathletiktrainer mit Passion und Hang zur Perfektion.

Nein, der in Exeter entwickelte und in Japan hergestellte Prototyp des Nike Tailwind geht auf das Konto von M. Frank Rudy. Der gewiefte, ehemalige Luftfahrtingenieur ist quasi der Erfinder der patentierten, revolutionären Luftsohle, die unter der Bezeichnung Nike Air heute jedem Zwölfjährigen ein Begriff ist.

Der Tailwind kam direkt mit 12 Produktinnovationen an den Start und eröffnete eine neue Ära des Laufens. Gleichzeitig verpasste er der Marke Nike wortwörtlichen Rückenwind dank der cleveren Markteinführung beim Honolulu Marathon auf Hawaii, wo gleich mehrere Topathleten mit dem Tailwind ins Rennen gingen. Die Läufer kamen bestens zurecht mit dem Komfort der ungewohnten Dämpfung und dem damit verbundenen, völlig neuen Abrollverhalten. Kurzum: Der Tailwind hängte die Konkurrenz ab – in den Stadien und auch in puncto Abverkauf.

Doch 12 Innovationen auf einen Schlag entpuppten sich als latenter Knieschuss. Schon nach kurzer Zeit häuften sich die Reklamationen aufgrund von Materialschwächen bei maximaler Beanspruchung und Nike startete eine denkwürdige Rückrufaktion. Das Konstruktionsteam optimierte den Tailwind mit Hochdruck und sämtliche Unstimmigkeiten wurden restlos ausgebügelt.

1979, als Discomusik die Tanzflächen der Metropolen dominierte, eroberte der Tailwind international die Asche- und Tartanbahnen. Darüber hinaus etablierte sich die Laufrevolution auch auf urbanem Untergrund: an den Füßen der Kids in den Straßen von New York, San Francisco und Oregon.

Jeder wollte den Sportschuh mit der innovativen Luftsohle aus der Raumfahrttechnik, der so erfrischend reduziert daherkommt: viel Mesh, an den richtigen Stellen etwas Wildleder für die Stabilität, eine ultraleichte Schaumstoffzunge. Und das Ganze in urbanem Asphaltgrau. Als Kontrast der himmelblaue Swoosh in seiner ursprünglichen, noch recht bauchigen Form und dem farblich identischen Fersenpatch mit versalem Nike Schriftzug. Abgerundet mit einer 14-Loch-Schnürung und marineblauem Inlay.

Ein markantes Kennzeichen des Tailwind ist auch die abgeschrägte Sohle im Fersenbereich, was dem optimierten Abrollen im Sprint zugutekommt und irgendwie auch die Windschnittigkeit und das Gesamtbild der Silhouette abrundet.

In den letzten vier Jahrzehnten gab es immer wieder mal Neuauflagen dieses Klassikers. Doch anlässlich seines 40. Geburtstags präsentiert Nike den Tailwind nun in den Originalfarben und den Originalmaterialien von 1978/79 und bringt den Spirit von einst zurück auf die Straße. So stylish und nice kann Rückenwind sein.