Nichts weiter als Geniales und Kolossales rundum Sneaker, Mode, Medien und Lifestyle.

von dirk I hamburg I 11 Juli 2018

adidas ZX 500 RM. Oben hui, unten wow!

Einen Klassiker kann man durch regelmäßige Farbvarianten immer wieder neu präsentieren. Das Konzept ist kein Geheimnis. Auch ein geschickter Materialmix lässt Altbewährtes selbst Jahrzehnte später modern und fresh aussehen. Denn Retro ist nach wie vor schick und irgendwie zeitlos lässig.

Doch anstatt es dabei zu belassen, kann man auch einen mutigen Schritt wagen: beispielsweise einen Klassiker zerlegen und neu interpretieren. Da scheiden sich natürlich die Geister. Die Expertenzunft teilt sich und hier und da tönt es „Darf man das?“ Nach reiflicher Überlegung lässt sich erfrischend einfach resümieren: natürlich darf man. Muss man ab und an sogar. Denn 1986 ist 32 Jahre her.

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich enorm viel verändert auf der Welt, im Sport, in den Köpfen der Menschen und in den technischen Möglichkeiten. Wieso also nicht einfach mal einen Klassiker wie den seinerzeit auf maximale Bewegungsstabilität ausgelegten Langstreckenläufer ZX 500 zur Brust nehmen und technisch wie optisch in das 21. Jahrhundert katapultieren.

Das ist weder Frevel, noch No-Go. In der amerikanischen Oldtimer-Tuning-und-Schrauberszene spricht man von Restomod. Das Akronym kombiniert die Begriffe Restaurieren und Modifizieren. Und genau darum geht es beim ZX 500 RM. Man wollte nicht auf Biegen und Brechen einen Klassiker aus der ZX-Familie, eine der legendärsten Modellserien der Running-Geschichte, anders machen. Ziel war es, einen Klassiker liebevoll und sinnig zu restaurieren und zu modifizieren.

Retro-Style trifft auf innovative Technologie! Alltagstauglich für Fans und Anhänger des Originals von 1986 und zugleich styletauglich für Experten, Sammler und Komfortenthusiasten von heute.

Für den erhöhten Wow-Faktor sorgen vor allem zwei Maßnahmen: oben das gewählte Upper im Look des ZX 500 Originals von einst – achatgraues, luftiges Mesh an basaltgrauem, flauschigem Wildleder. Im OG damals Nylon an Veloursleder. Und als knalliger Kontrast das Zungenlabel und der logolose Fersenpatch in Kardinalrot.

Unten dann die moderne BOOST-Sohle mit der optisch markanten Reiswaffelstruktur für maximale und die reaktionsfreudigste Dämpfung ever. Den auffälligen Streifen in der Zwischensohle ersetzt ein horizontaler EVA-Einsatz, der obendrein das fluffige Tragegefühl begünstigt.

Unverändert bleibt das praktische Schnellschnürsystem mit den acht TPU-Ringösen, das so genannte Ghillie Lacing. Der plan aufgeschweißte, gezackte Dreistreif in Anlehnung an den I-5923 perfektioniert die Schnittigkeit der Silhouette und gibt dem urbanen Look des Restomods den finalen Schliff.

So geht Retro zwonull! Definitiv eine Bereicherung für Auge, Fuß und Sammlervitrine. OG oder RM? Ich mag und trag‘ beide. Und wer nun immer noch skeptisch ist oder Originalzustandsverfechter, erfreut sich einfach weiterhin am Stammbaum des zweistelligen ZX-Familienclans.