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von dirk I hamburg I 19 April 2018

Ein Retroschotte, der keineswegs mit Lässigkeit geizt. adidas Glenbuck.

Der Sommer steht vor der Tür. Und wie selbstverständlich steht in den ersten Monaten des Jahres eine von mehreren entscheidenden Fragen im Raum: Welcher Turnschuh hat dies Jahr das Zeug zur bedingungslosen Nummer 1 für Begegnungen der sonnigsten Art. Fakt ist: die Tage werden länger, die Hosen kürzer, die Farben heller.

Ein absolutes Highlight für den Sommer 2018 kommt aus der so genannten Spezial-Serie, die adidas seit 2014 zweimal jährlich in Zusammenarbeit mit den Dreistreifexperten Gary Aspden und Mike Chetcuti zurück auf die Straße bringt. Die Idee der beiden Engländer: Die Reanimation fast vergessener Topmodelle, in Topqualität, in Topfarbkombis.

Gary Aspden ist seit den Neunzigerjahren für adidas umtriebig. Gemeinsam mit Mike Chetcuti initiieren sie Kollaborationen, durchstöbern die Archive nach vergessenen Modellen und Prototypen oder starten Expeditionen durch Länder, Läden und Lagerbestände – stets auf der Suche nach adidas Originalen. 2014 entdeckten sie in Argentinien ungeahnte Schätze und grandiose Raritäten. So kam es beispielsweise auch zu einer Neuauflage des legendären New York Runners von 1985.

Nun kann man es Zufall nennen oder Kalkül: Neben den generalüberholten Modellen Hulton, Padiham und Indoor Kreft sticht vor allem der Glenbuck aus der aktuellen Spezial-Serie heraus. Dabei sieht der Glenbuck auf den ersten Blick dem New York so ähnlich wie ein verschollener eineiiger Zwilling.

Bei genauer Betrachtung ist der Unterschied dann doch beinahe so groß wie die 5000 Kilometer Entfernung zwischen der Stadt New York und dem schottischen Glenbuck, 50 km südlich von Glasgow. Den grünen Landstrich Glenbuck kennen Fußballenthusiasten von Bill Shankly, Ikone der Glenbuck Cherrypickers in den Vierzigerjahren, weltberühmt als Trainer beim FC Liverpool 1959 bis 1974.

Zurück zum Vergleich Glenbuck / New York: Der Glenbuck wirkt wie die Sommerausführung des New York und ist de facto mit 272 g schon mal direkt 54 Gramm leichter als der New York mit 326 g. Insgesamt ist alles etwas feiner und leichter: das Dellinger-Web an der Sohle, das Sohlenprofil, die Zunge. Textilstreifen statt gezacktes Leder, 10-Lochschnürung versus 12. Filigranes Textil-Obermaterial anstelle von Mesh. Und auch die Wildleder-Overlays wurden gekonnt gestreamlined.

Den Glenbuck gibt’s dann auch direkt in zwei Colorways: klassisch in Weiß-Blau-Rot und der absolute Hammer – in Mint mit Pink. Die Spezial-Kollektion ist inspiriert vom „Second Summer of Love“ – quasi die tanzintensive Phase zwischen 1988 und 1989, als Acid House in und aus Großbritannien eine neue Ära der Club- und Ravekultur einleitete.

Ich für meinen Teil dachte beim Glenbuck sofort an das geniale Dolomiti-Wassereis aus Kinderzeiten – Synonym für absolute Unbeschwertheit. Hätte man mir damals gesagt, dass ich Jahrzehnte später als Erwachsener in einem mintfarbenen Laufschuh mit rosa Streifen durch die Hood schlendere, ich hätte mir wohl ungläubig mit dem Dolomiti an die Stirn getippt. In diesem Sinne: sprint mint and think pink! Oder mit den enervierenden Worten eines BAM-BAM-Tracks von 1988: „give it to me!“