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von dirk I hamburg I 23 März 2018

adidas Deerupt – innovative Designkoryphäe oder progressiver Netzaktivist? Beides!

Neue Technologien in Kombination mit jahrzehntelangen Erfahrungen im Laufsport erlauben und ermöglichen immer wieder neue Modelle, die mit Raffinesse, Materialvarianten, Farbkombinationen oder originellen Neuerungen daherkommen. Mal überraschend. Mal ganz nett. Meist redundant und doch nur ein weiterer Aufguss von bereits x-fach Dagewesenem.

Doch mit dem vollkommen neu entwickelten Deerupt erfindet adidas mal eben so den urbanen Laufschuh neu.

Minimalismus trifft visionäres Design. Auf den ersten Blick wirkt der Deerupt wie das organische 3D-Drahtgittermodell einer ausgeklügelten und detailliert berechneten CAD-Darstellung – wie man sie von klassischen Wireframes aus der modernen Automobilentwicklung kennt, aus der Architektur oder der Bionik. Stichwort geometrische Modellierung und konstruktive Festkörpergeometrie, kurz CSG.

Das visualisierte Raster als Symbol für gelebte Netzkultur und Konstruktion in Perfektion. Dabei entspricht die Silhouette des Deerupt bei genauer Betrachtung dem klaren Stil eines Achtzigerjahre-Laufklassikers. Nur eben feiner, irgendwie gewiefter.

Zukunft trifft Vergangenheit. Als hätten die Legenden des Automobildesigns der Sechzigerjahre Giorgio Giugiaro (Lotus Esprit, Alfa Romeo Giulia Sprint GT, DeLorean DMC-12), Marcello Gandini (Lamborghini Miura, Lancia Stratos, Maserati Khamsin) und Nuccio Bertone (Alfa Romeo Giulietta Sprint, Lamborghini Countach, Ferrari 250 GT) die Köpfe zusammengesteckt und den ultimativen Laufschuh konzipiert.

Und das nicht in Bella Italia, sondern in den fiktiven Räumlichkeiten von Cyberdyne Systems, wo das künstlich intelligente Computerprogramm Skynet einen kybernetischen Organismus namens T-800 schuf, besser bekannt als Terminator. Soweit mein spontaner gedanklicher Exkurs.

Zurück in der Realität der Gegenwart verblüfft der Deerupt „Solarbird“ in der Originals-Farbkomposition Solared an Bluebird. Das darüberliegende Exoskelett aus weißem Stretchgrid – einem ultraflexiblen Obermaterial aus Sandwich-Mesh – definiert den geometrischen All-Over-Look. Auch an der EVA-Zwischensohle, wo es zudem die Stabilität unterstützt. Das patentierte Dellinger Web kennt man bereits aus den Achtzigerjahren von den Laufmodellen New York, Oregon, Marathon.

Innen sorgen einzeln gepolsterte Zonen und die Ortholite-Einlegesohle für optimalen Tragekomfort und perfekte Dämpfung. Dazu eine integrierte Schnürung und der Wildleder-Fersenpatch mit geprägtem Trefoil. Und das war’s auch schon. Kein Dreistreif. Keine Zunge. Kein Schnickschnack. Kein Firlefanz. 286 Gramm minimalistisch progressives Design made in Herzogenaurach. Netz – ähh, that’s it!