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von dirk I hamburg I 18 August 2017

Im Grunde seines Herzens ist die Rollbrettlegende aus Anaheim ein reiner Vulkanier. Vans Sk8-Hi.

Wir schreiben das Jahr 1966. Während hierzulande die Science-Fiction-Serie Raumpatrouille startet, geht in den USA die Fernsehserie Star Trek on air. Visionäres von ganz anderem Kaliber setzen die Brüder Paul und Jim van Doren in die Tat um. Zusammen mit Gordy Lee und Serge D’Elia gründen sie in Anaheim, Kalifornien die Van Doren Rubber Company.

Aus dem etwas holprigen Firmennamen entsteht schließlich das griffige Kürzel Vans. Entwickelt und produziert werden Schuhe für Skateboarder, die bis in die späten Siebzigerjahre noch als Asphaltsurfer tituliert werden. Denn Rollbrettfahren entstand Ende der Sechzigerjahre als logische Weiterführung des Wellenreitens. Vom Strand in die Urbanität. Vom Wasser auf Asphalt und Beton. Was fehlte, war ein Schuh speziell für Skater. Bei den brachialen Belastungen waren Chucks schneller zerschlissen als man „Backside Varial“ sagen konnte.

Eines der erfolgreichsten, begehrtesten und coolsten Modelle ist der Sk8-Hi. Mitentwickelt von den Z-Boy-Legenden und Vert-Style-Pionieren Tony Alva und Stacy Peralta. Veröffentlicht am 18. März 1978 unter dem Produktionsnamen Style 38.

Die Kombination aus Tragekomfort, Grip und Knöchelschutz basiert auf dem Canvas-Veloursleder-Obermaterial und der Sohle mit dem markanten Waffelprofil. Revolutionär ist auch die Konstruktion der Sohle: Beim so genannten Vulkanisieren wird Naturkautschuk durch spezifischen Druck und Temperatur extrem widerstandsfähig gemacht. Auf diese Weise erhält das Gummi eine enorme Elastizität. Perfekt für anspruchsvollen Outdooreinsatz auf betoniertem Playground. Neben Robustheit, Dehnbarkeit und Witterungsresistenz sorgt die vulkanisierte Sohle mit dem Waffelmuster, selbst bei tollkühnsten Manövern und radikalsten Figuren, für größtmögliche Brettkontrolle.

Das Original von 1978 beeindruckt mit pazifikblauem Suède aka Veloursleder im Vorderfußbereich, inklusive Zunge und Senkelleisten, bzw. Spannverstärkung, im Kontrast zu himmelblauem Canvas. Dazu hellblaues Glattleder im Innenfutter und weiße Senkel zu weißem Jazz Stripe, wie der Parcour-artige Seitenstreifen offiziell heißt und angeblich ohne große Überlegungen und Metaphorik dahingekritzelt wurde. Das kann man verrückt nennen oder abgefahren. Denn das genau bedeutet auch der Markenslogan „Off the Wall“.

Die Form des Sk8-Hi ist bis heute unverändert. Es gab hunderte Farbvarianten, Materialkombinationen, Kollaborationen, Sondereditionen. Von Super Mario bis Slayer. Von Patta bis Pendleton. Von Stussy bis Snoopy. Seit 40 Jahren ist der Sk8-Hi die erste Wahl bei Profirollbrettfahrern und Hipstern.

Das liegt auch mit an Steve van Doren, Sohn von Vans-Gründer Paul. Nach dem Markentief in den Achtzigerjahren und mehreren Firmenverkäufen, hält er mit seiner Schwester Cheryl und Tochter Kristy wieder die Zügel, bzw. Senkel fest in der Hand und führt die Marke mit ungebremstem Enthusiasmus und Leidenschaft. So wird es auch weiterhin coole Modelle des Sk8-Hi geben. Getreu dem Motto: Rollbrett statt Trittbrett.

Mein aktueller Favorit ist der 38 DX Anaheim Factory – kalifornische Koralle zu bitumenschwarzem Suède. Perfekt für Halfpipe-Aktivisten, City Slicker oder Vulkanier mit erhöhtem Stilbewusstsein.