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von dirk I hamburg I 30 September 2016

Der legendenlose Kalifornier aus den legendären Siebzigern. adidas Topanga.

Es gibt so unendlich viele Sneakermodelle. Um die meisten geistern ebenso viele Stories, Legenden, Erfolgsgeschichten. Ein paar hätten das Zeug und den Content für abendfüllende Leinwandgeschichten. Und dann gibt es immer wieder Modelle, über die es trotz globaler Sites, Blogs, Foren, Bücher und Fachmagazine so gut wie gar nichts gibt.

Der adidas Topanga ist so ein Faszinosum. Einig ist man sich unter Sammlern, Zeitzeugen und Experten, dass der Oldschool-Klassiker mit der schnörkellosen Wild- bzw. Waschlederoptik ursprünglich als adidas California gelauncht wurde. Irgendwann in den legendären und visionären Anfängen der Siebzigerjahre. Wann genau, ist nicht verifizierbar.

Ebenso unbestimmt ist der Grund der Umbenennung vom lifestyligen California zum abstrakt exotischen Topanga. Was spontan an den James-Bond-Schurken Scaramanga alias Christopher Lee erinnert, aus dem Roger-Moore-Klassiker „Der Mann mit dem goldenen Colt“, aus dem Jahr 1974, hat nichts mit Solex-Generator und Macau zu tun. Topanga ist eine kalifornische Kleinstadt am Dix Canyon, quasi zwischen den Badeorten Malibu und Santa Monica. Topanga ist indianisch, bzw. Uto-aztekisch, präziser gesagt Takic und bedeutet so viel wie „Ein Ort darüber“. Tja, nice to know.

Um den Erscheinungszeitraum näher einzugrenzen kann man ein paar Vergleiche anstellen mit Berühmtheiten aus Herzogenaurach. Die einen sehen Ähnlichkeiten zu den Modellen Samba und Hamburg. Andere meinen, Merkmale des Gazelle von 1969 zu erkennen sowie vom Handball Spezial, 1979. Nicht leugnen lässt sich auch eine latente Verwandtschaft zum Tournament aus dem Jahr 1971, seit 1980 besser bekannt unter dem Namen Campus und spätestens seit Erscheinen des Beastie Boys Albums „Check your Head“, 1992 der meistbegehrte Rollbrettschnürschuh mit drei Streifen.

Für meinen Geschmack hat der Topanga ganz andere Vorfahren: den Florida, den Tobacco und hinsichtlich der flachen Silhouette, der markanten Moosgummisohle und der Typik an der Zehenverstärkung, den Mexicana. Der Trainingsschuh aus Känguruleder mit dem Kuhleder-Dreistreif wurde für die Olympischen Sommerspiele 1968 in Mexiko entwickelt. Das Team des westdeutschen Ruderachter um Horst Meyer holte im adidas Mexicana Gold!

In welchem Jahr auch immer der California aka Topanga der Öffentlichkeit erstmals präsentiert wurde: Das aktuelle Modell 2016 ist eine cleane und reduzierte Waschlederversion in kalifornischer Orange mit pazifikblauen Streifen und gleichfarbiger Sohle, logolosem Fersenpatch und malibusandstrandweißer Strukturmoosgummisohle. Kurzum: Kalifornien pur! Was will man mehr? Oder mit den Worten von MCA, Adrock und Mike D: So what’cha want?!