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von dirk I hamburg I 15 Juli 2016

Das M steht Kopf. Die Laufschuhgemeinde ebenso. Der Nike Air Berwuda.

Als kurze Männerhosen, die exakt fünf Zentimeter über dem Knie abschließen, noch Bermudashorts hießen und nach der berühmten subtropischen, britischen Inselgruppe im Atlantik benannt wurden, weil sie dort traditionell zum Businessanzug gehören, kam es 5000 Kilometer nordwestlich zu einer für den Laufsport revolutionären Erfindung.

Acht Jahre nachdem Phil Knight und Bill Bowerman ihr Sportschuhunternehmen Blue Ribbon Sports in Nike umbenannt hatten, entwickelt der Raumfahrtingenieur Marlon F. Rudy 1979 die Air-Sohle für den Tailwind Runner. Heute ein Klassiker. Das Air-Sohlen-Patent ist eine Sensation, der Rest ist Geschichte.

Kaum bekannt hingegen ist und wurde der Bermuda Laufschuh aus demselben Jahr. Dabei hatte das taubenblaue Leichtgewicht aus Nylon, Wildleder, Mesh und der bereits bewährten Waffelsohle durchaus Starpotenzial. „Our new Bermuda fits like your skin.“ Die Werbebotschaft zielte auf ultimative Passform und Tragekomfort. Doch so richtig wollte der Bermuda einfach nicht durchstarten.

Es brauchte fast dreieinhalb Jahrzehnte bis man den verkannten Athleten aus dem Bermudadreieck der Nike Archive wiederentdeckte und sein enormes Retropotenzial erkannte. Und weil das Modell in seiner technischen Zusammensetzung quasi komplett auf den Kopf gestellt wurde, hat man in Beaverton auch das M im Modellnamen um 180 Grad zum W gedreht.

Herausgekommen ist der Nike Air Berwuda Retro. Noch leichter. Noch schnittiger. Materialtechnisch ganz weit vorne. Und auch farblich deutlich attraktiver als der taubenblaue Vorfahre. Seine Markanz liegt neben dem niedrigen Profil vor allem in der flexiblen Mesh-Konstruktion im Vorderfußbereich. Das atmungsaktive Material sorgt für bestmögliche Durchlüftung und Beweglichkeit der Zehen in der Abrollbewegung – beim ambitionierten Lauf oder im urbanen Schlendrianmodus.

Untenrum nimmt es die Phylon-Mittelsohle in Kombination mit dem Air-Sohlen-Dämpfungssystem und einer robusten Gummiaußensohle für Traktion und Strapazierfähigkeit mit allen Untergründen auf. Ob Tartan oder Asphalt. Ob Waldboden oder Tanzparkett. Dazu ein verhältnismäßig stattlicher Oldschool-Swoosh – und fertig ist die Retrorakete. Und das in drei klaren Farbkombinationen: in Schwarz-Weiß, in Blau-Weiß oder mein Favorit in Rot-Weiß-Blau.

Bääääm! Ein verdammt cooles Stück 1979 für brandheiße Stylepräsenz im Sommer 2016. Egal, ob zu Skinnyjeans, Chino, Trainingshose oder Bermudashorts.