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von dirk I hamburg I 5 August 2011

Hanseat trifft Urban Art. „Heliumcowboy Art Space“ vs. „Place de la créativité.“

TRINITY, FRONT, MOJO, UNIT, GUM. Bis Anfang Zweitausend war allein der Clubname Garant für coole Partys. Als Off-Locations immer mehr in Mode kamen, orientierte man sich an den Line-Ups der angesagten DJs, alternativ dienten spätestens vor Ort, die von draußen hörbaren Beats als Referenz für einen hippen, angesagten, coolen Event.

Heute reicht der geschulte Blick auf den Fuhrpark vor der Location. Eine Zweiradstahlflitzer-Armada aus den Sparten Fixie, Singlespeed, Urban Trial und Bahnrad-Rennmaschine sagt mehr aus über Party, Hip-Faktor und Gäste als aufwendig gestaltete, oft überkandidelte Flyer, Websites oder Line-Ups.

Dem beinahe schon selbst zur streetartigen Bike-Wand zweckentfremdeten Bauzaun nach zu urteilen, muss es im „Helium Cowboy Art Space“ im Bäckerbreitergang – Teil des historischen Hamburger Gängeviertels, viel diskutierte Beherbergung von Künstlern aller Couleur und Bonheur – in Sachen Szenigkeit schick zur Sache gegangen sein. Und tatsächlich. Beim Auftakt-Event zu „Place de la créativité“, den geführten Street Art Touren durch Hamburg und Berlin, trafen sich Hipster, Künstler, Modefans und Lifestyle-Aktivisten in den frisch getünchten Räumlichkeiten des gut gelaunten Heliumcowboys Jörg Heikhaus. Als Gründer und Kurator bietet er feiner Underground Street Art und Graffiti-Kunst bereits seit 2003 ein ebenso feines Forum.

Zu unaufdringlichen DJ-Beats gab’s Werke zu bestaunen von namhaften Street Artists wie Moki, Alex Diamond, Boris Hoppek und Nina Braun. Alles war entspannt, kein überhebliches Rumgelunger mit Weißweinschorle, dafür gut gelaunte Fashionists und ernsthaft an Street Art interessierte Gäste. So soll es sein. Initiiert und tadellos organisiert hat das Ganze die zweidamenstarke Hamburger PR- und Eventagentur „Pila und Tüdelüt“. Die schlumpfblaue, französische Rauchwaremarke, die dezent hinter der Aktion steht, dürfte mehr als zufrieden sein. Drollig nur, dass auf einer Vernissage die Getränke nicht „for free“ waren, andererseits – bei Preisen von 50 Cent für Wasser und 2 Euro für Pils oder Cola, kann und will man auch da nichts sagen.

Wieder einmal spürte man mit Gewissheit, dass in Hamburg prinzipiell deutlich mehr geht als viele Nörgler und Banausen meinen. Urban Art ist Underground und Underground passiert eben primär draußen auf der Straße, nicht bei Facebook und Co. Also nichts wie hin zur Ausstellung oder zu einer „Tour de la créativité“. Top, c’est parti! … oder im Hamburger Klartext: Aff geit dat!