Karhu. Hinter dem feinen finnischen Hipster steckt ein kraftstrotzender Bär mit olympischem Sportsgeist seit 1916.

Eigentlich ist Finnland nur 1200 Kilometer von Hamburg entfernt. Und trotzdem kennt man kaum jemanden, der schon mal in Oulu, Lappeenranta oder Helsinki war oder von dort herkommt.

Formel-1-Fans kennen seit Beginn des Jahrtausends den Namen Kimi Räikkönen, Freunde der Popmusik den Singer-Songwriter Samu Haber. Und die Älteren und Freunde des Skisprungschanzensports erinnern sich womöglich noch an Matti Nykänen, kauziges Ausnahmetalent unter den weltbesten Skispringern und vierfacher Olympia-Goldgewinner, einmal 1984 in Sarajevo, dreimal 1988 in Calgary. Nice to know: Bekannt wurde er durch Eddie »the Eagle« Edwards und den gleichnamigen Kinofilm von 2016.

Ebenfalls aus Finnland stammt die Sportmarke Karhu, was übersetzt schlicht Bär bedeutet. Auch wenn Karhu hierzulande noch nahezu unbekannt ist und als kleines feines Hipsterlabel gilt: Genau genommen gibt es die Marke seit einem Jahrhundert, gegründet 1916.

Unter dem selbst für finnische Verhältnisse etwas sprödem Namen »Ab Sport Artiklar Oy« lag der Fokus auf den drei Olympia-Disziplinen Diskuswurf, Speerwurf und Ski Alpin.

Bei den olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki trat man mit neuem griffigen Namen und neuer Ausrichtung an: Laufschuhe standen nun an markenstrategisch oberster Stelle.

Funfact: Das bisherige Markenlogo waren drei Streifen. Vermutlich stellvertretend für die repräsentierten drei Sportarten. Für 10.000 Finnische Mark, was ungefähr 1600 Euro entspricht, plus zwei Flaschen Whisky verkauften die Finnen ihr Logo an adidas. Seitdem ziert ein parcourartiges »M« die Runner, abgeleitet vom Nachnamen der Designerbrüder Mäntylä.

Global betrachtet lief Karhu nicht einfach mit, sondern stets und wie bei den Wintersportmeisterschaften gewohnt, vorneweg – sportlich bei internationalen Wettkämpfen und produkttechnisch als innovative Pioniere.

Bereits Mitte der Sechzigerjahre wurde mit Nylon experimentiert – im Dienste von Gewichtsreduktion und Laufkomfort. In den Siebzigern ging man – noch vor Tinker Hatfield und dem Nike Air Max 1 – mit einem Air-Cushion-System an den Start.

Mitte der Achtzigerjahre revolutionierte Karhu den Laufsport mit der Fulcrum-Technologie, gemeinsam entwickelt mit der Universität Jyväskylä, für einen optimierten Komfort am Fuß des Athleten bei der Abrollbewegung.

Inzwischen haben die coolen Runner wie der Fusion 2.0 oder Aria 95 oder Synchron Classic den Sprung von der Tartanbahn auf die Straße und an die Füße der Metropolbewohner geschafft. In coolen Colorways, feinen Collaborationen und limitierten Editionen. Bärenstark flankiert von flauschigen Shirts und Sweatern für einen rundum guten Tag oder wie der Finne zu sagen pflegt: »hyvää päivää!«