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von dirk I hamburg I 30 Oktober 2015

Ben Sherman. Latent auf Krawall gebürstet seit 1963.

Bei traditioneller, authentischer Männerkleidung aus England fallen einem vor allem zwei Marken ein: Fred Perry und Ben Sherman. Die eine 1953 gegründet, die andere 1963. Beide Namen verdanken ihren Ruhm und Status der Jugendrebellion und Subkultur der Sechzigerjahre. Dabei könnten die beiden Markengründer unterschiedlicher kaum sein.

Fred Perry – der Ausnahmeathlet: vom Tischtennisweltmeister zum Tennisprofi und dreifachen Wimbledonsieger, der sich darüber ärgerte, dass es im Profitennis keine adäquate Sportkleidung gab und kurzerhand 50 weiße Poloshirts auf eigene Kosten anfertigen ließ. Bestickt mit einem kleinen Lorbeerkranz, dem Symbol für Ehre, Sieg und Auszeichnung.

Ben Sherman – der gewiefte Modefabrikant: mit ausgeprägtem Sinn für Stil, höchstem Anspruch an Qualität und einem Händchen für Design. Beide Marken sind anfangs vor allem bei Mods heißbegehrt. Mods, abgeleitet von Modernists, kategorisierte die englische, rebellische Arbeiterjugend, die in ihrer Freizeit schnieke aussehen wollte: beim Rumlümmeln auf der Straße, beim Tanzen im Club, beim Umdiehäuserziehen, in der U-Bahn oder auf der Vespa.

Beide Marken verkörpern nach wie vor Bodenständigkeit und Authentizität sowie eine satte Portion Rebellentum in Form von Rauheit, Unangepasstheit und Aufmüpfigkeit. Quasi außen hui, innerlich nach wie vor latent auf Krawall gebürstet. Geprägt und begleitet von der coolen Musik der coolen Kids: von Ska über Punk, von Brit Pop bis Independent.

Dabei startete Ben Sherman recht klassisch. Als Zwanzigjähriger wandert er von Englands Südküste nach Amerika aus, heiratet und kehrt Ende der Fünfzigerjahre als Textilexperte zurück nach Brighton, wo er eine alte Textilmanufaktur übernimmt und 1963 die Firma Ben Sherman gründet. Gefertigt werden Button-Down-Hemden, angelehnt an die Hemden wie sie an amerikanischen Eliteuniversitäten getragen werden. Immer mit einem besonderen Gespür für Stoffe, Muster und Farben und von Anfang an sportlich schmal geschnitten. Ein weiteres Markenzeichen ist der zusätzliche Knopf hinten am Kragen.

Die ersten Klassiker sind Button-Down-Hemden aus Oxfordstoff, einem besonders robusten Baumwollgewebe in so genannter Gitterbindung. In Pastellrosa, in Pastellgelb, in Pastellblau, durchzogen von feinen, pastellfarbigen Kontraststreifen. Der Style ist wichtig, aber die Qualität soll das Nonplusultra sein. Daher werden die Stoffe allesamt aus Amerika importiert.

Mods, Musik und die Mode der Sechzigerjahre machten Großbritannien wieder cool und hip. Allein 1970 verarbeitet Ben Sherman eine Million Yard Oxford. Das sind knapp 915.000 Meter Hemdenstoff! In den Neunzigerjahren wurde es deutlich ruhiger um die Marke.

Seit 10 Jahren geht es wieder rund. Längst ist Ben Sherman zum Vollausstatter avanciert. Hemd oder Hose, Desert Boot oder Pennyloafer, Cardigan oder Dufflecoat. Die Farben der Nationalflagge Großbritanniens rot, weiß, blau spielen beim Design der Kollektionen nach wie vor eine Rolle. Ebenso das Target, einst Symbol der Royal Air Force und seit fünf Jahrzehnten Erkennungszeichen der Mods.

Um cool zu sein und hip zu bleiben, werden Klassiker auch gern in Kooperationen neu aufgelegt. Eindrucksvoll beispielsweise ist eine Hemdenkollektion mit Pendleton, der berühmten Wollmanufaktur in Portland, Oregon oder die schnittige Neuinterpretation der Alpha MA-1 Bomberjacke. So oder so – Hauptsache immer schön authentisch.